Glasfasertapete – ganz schön robust

Die Sage über Herkules, den Sohn von Zeus. Herkules der Halbgott soll der stärkste Mann auf Erden gewesen sein und etliche Abenteuer überstanden haben. Nun ob eine Glasfasertapete auch Abenteuer übersteht, das ist zu bezweifeln, doch sie gilt dennoch als die stärkste Tapete der Welt. Wobei der Begriff „Tapete“ nicht richtig ist, denn es handelt sich vielmehr um einen Wandbelag.

Die wichtigsten Informationen zur Glasfasertapete

  • Aufgrund ihrer abwechslungsreichen Struktur wird die Glasfasertapete auch als Glasdekogewebe bezeichnet.
  • Die Struktur der Tapete ist überstreichbar
  • Farben wirken auf der Glasfasertapete gewöhnlich sanft und edel
  • Diese Tapeten sind extrem strapazierfähig
  • Weisen eine dichte Struktur auf, sind stoßfest und brandhemmend
  • Verrotten nicht, sie weisen Wasser ab und sollen bis zu schätzungsweise 30 Jahre halten
  • Allergiker profitieren von Glasfasertapeten, da sie abwaschbar sind und Schimmelsporen kein lebenswertes Umfeld bieten
  • Glasfasertapeten sind leichter, zu tapezieren, da sie im Vergleich zu Raufaser auch an der Wand noch korrigiert werden können
  • Glasfasertapeten sind nicht ganz unproblematisch, da sie aus künstlichen Mineralfasern bestehen (anorganische Synthesefasern). Daher sollten Sie nur mit entsprechenden Schutzmaßnahmen bearbeitet werden.
  • Es wird ein spezieller Dispersionskleber benötigt
  • Sofern die Glasfasertapeten nach Öko-Tex Standard 100 zertifiziert sind, sind sie ökologisch eher unbedenklich

Was ist eine Glasfasertapete?

Der Name sagt hier aus, dass es sich um eine Tapete handelt, die aus Glasfaser besteht. Doch das ist nicht komplett korrekt, sondern hier handelt es sich in dem Sinne nicht um eine Tapete, da darin kein Papier verarbeitet ist. Die Glasfasertapete, die auch als Glasgewebetapete oder Glasvlies bezeichnet wird, ist ein Strukturwandbelag. Aber da sie wie eine gewöhnliche Raufaser auf Rollen verkauft und an die Wand geklebt wird, hat die Bezeichnung Tapete hier schon eine Berechtigung.

Glasfasertapeten werden aus acht bis zehn Mikrometer dünnen Glasfasern gewoben. Diese wurden zuvor aus geschmolzenen Glas gezogen. Die glatte Glasfasertapete ist die einfachste Variante. Häufig veredeln die Hersteller die gewebten Bahnen – der Fachbegriff dafür lautet Appretur – und dadurch erhalten sie ihre individuelle Struktur. Am verbreitetsten sind die Fischgräten- und Rautenmuster. Durch die Technik der Jaquardmusterung werden auch komplizierte und individuelle Muster möglich gemacht. Allerdings hat das dann seinen Preis.

Die besonderen Eigenschaften der Glasfasertapete

Das die Glasfasertapete als die stärkste Tapete der Welt bezeichnet wird, das ist keineswegs falsch, denn sie ist siebenmal so reißfest wie Raufaser und etwa doppelt so fest wie die Vliestapete. Selbst in der Langlebigkeit übertrifft sie andere Tapeten: Sie hält bis zu 30 Jahre! Wird die Glasfasertapete auf dem Untergrund angebracht, dann weist sie eine armierende Wirkung auf, was bedeutet, dass die Tapete einfach kleinere Risse und Schadstellen überdeckt und zusammenhält. Das heißt, die Schäden werden nicht größer. Selbst die Stöße werden abgemildert.

Hinweis!

Als Beispiel für die Zugfestigkeit der Glasfasertapete: Wird eine Wand eines frisch (aus-)gebauten Dachstuhls damit tapeziert, dann reißt selbst dann die Tapete nicht, wenn das Holz des Dachstuhls nacharbeitet. Bevor das passiert würde die Tapete sich eher komplett von der Wand abheben oder an den Rändern abscheren.

Klassifiziert sind die Glasfasertapeten als B1 nach DIN 4102, was bedeutet, dass sie schwer entflammbar sind. Es ist eben schwierig, Glas in Brand zu stecken. Brennt die Tapete dann doch, dann bilden sich keine giftigen Rauchgase, da bei der Herstellung keine toxischen Stoffe verwendet werden. Allerdings kann die Farbe auf der Tapete Rauchgas erzeugen, denn die Glasfaser ist überstreichbar. Das funktioniert bis zu 10x, ohne das die Struktur der Tapete leidet. Zusätzliche Festigkeit und Wasserdichte erhält die Tapete durch Seidenlatexfarbe oder Polyurethan. Zudem ist die Tapete lichtecht und sie bleicht nicht aus.

Keine Chance haben bei der Glasfasertapete Schimmel, Pilze und Algen. Der Grund dafür ist, dass sie keine Fugen besitzt und keine Poren aufweist, die als Eindringungspunkt dienen könnten. Damit ist die Glasfasertapete selbst den Fliesen überlegen. Des Weiteren ist diese Tapete unverrottbar und ökologisch unbedenklich. Viele der Marken sind nach dem Öko-Tex Standard 100 zertifiziert. Bei Feuchtigkeit bleibt die Tapete stabil. Sollte der Wandbelag einmal dreckig sein, ist es möglich, diesen abzuwaschen oder sogar zu scheuern.

Bestens geeignet sind die Glasfasertapeten für Allergiker, da Staub und Pollen sich nicht darauf festsetzen können. Ist eine solche Tapete mit Seidenlatex oder Polyurethan gestrichen, dann ist sie sogar desinfizierbar.

All diese Gründe sprechen dafür, dass die Glasfasertapeten oft in stark frequentierten oder besonders genutzten Räumen verwendet werden, wie bspw.:

  • Öffentlichen Gebäuden
  • Krankenhäusern und OP-Sälen,
  • Industrie- und Gewerbegebäuden
  • Feuchträumen und Räumen mit hoher Feuchtebelastung (Küche, Bad, Keller..) sowie
  • Treppenhäusern und Fluren.

Die Kosten, Preise & Verarbeitung

Das Tapezieren mit der Glasfasertapete ähnelt dem mit einer Vliestapete. Die Tapete wird, nachdem die Wand mit einem speziellen Kleister gestrichen wurde, direkt auf die Wand kleben. Erst nach dem Trocknen erhält die Glasgewebetapete ihre endgültige Haftung und durch eine zusätzliche Grundierung sowie dem Anstrich mit Farbe. Dadurch ist es möglich, die Tapete entsprechend zu korrigieren.

Hinweis:

Glasfasertapeten werden auf Stoß geklebt. Beim Trocknen verziehen, dehnen oder schrumpfen die einzelnen Bahnen nicht. Wichtig ist beim Tapezieren aber, dass auf das Muster, bzw. die Struktur geachtet wird, damit die Folgebahnen exakt zueinander passen, damit ein „Reißverschluss Effekt“ verhindert wird.

In der Anschaffung sind Glasfasertapeten deutlich teurer als Raufaser-, Muster- oder Vinyltapeten. Eine große Rolle dieser Tapeten die einen Meter breit und 25 Meter lang ist, schlägt mit mindestens 40 Euro zu Buche, wobei die Preisspanne bis zu 100 Euro beträgt. Aber dennoch ist dieser Wandbelag wirtschaftlich, denn schließlich ist er außergewöhnlich robust und ist lange haltbar. Selbst nach dem zehnten Überstreichen ist die Strukturoptik noch zu sehen. Aber auch wegen der günstigen Reinigungs- und Pflegeeigenschaften sind die Renovierungsintervalle bei diesem Wandbelag deutlich kürzer als bei den Vlies- oder Papiertapeten. Dadurch amortisiert sich der höhere Anschaffungspreis und das vor allem in stark beanspruchten oder anspruchsvollen Räumlichkeiten. Unterm Strich ist die eigens dafür entwickelte Glasfasertapete oft die günstigste Lösung – und oft sogar die einzig sinnvolle.

Die Entsorgung alter Glasfasertapeten

Wird eine Glasfasertapete entsorgt, dann ist das nicht über den normalen Hausmüll möglich und auch nicht mit dem Bauschuttcontainer. Die Tapetenreste müssen als Mineralfaserabfälle in speziellen Sammelbehältern erfasst und auf besonderen Deponien entsorgt werden. Entweder sind diese Behälter beim Containerdienst zu bestellen oder man fragt bei zuständigen Recyclinghof, Bau- und Entsorgungsamt nach, wo die Alttapeten entsorgt werden können.